Tierquäler in Einswarden

Bei Facebook schießt die Geschichte über den Fund einer toten Katze in der Wesermarsch durch die Decke. Jetzt hat die Suche nach dem Halter des Tieres begonnen.

Einswarden Manchmal liegen Freudentränen und blankes Entsetzen ganz dicht beieinander. Heidi Huth-Hinrichs, die Vorsitzende des Tiersuchdienstes Wesermarsch, erlebte am Mittwoch einen solchen Tag. Gerade erst war Bebi eingefangen worden. Die Mops-Hündin war elf Tage zuvor von zu Hause weggelaufen, und allzu groß war die Hoffnung nicht, sie noch einmal lebend wiederzufinden. Kurz nachdem die Besitzerin aus Einswarden den Hund wieder in die Arme nehmen konnte, wurde Heidi Huth-Heinrichs nur wenige Kilometer weiter zur Neptunstraße gerufen. Und was sie dort vorfand, verschlug ihr fast die Sprache.

In der Nähe des Löschteichs lag eine tote Katze, eingewickelt in Plastikfolie. Zwei Aluminiumstangen waren mit Klebeband am Körper befestigt. Heidi Huth-Hinrichs konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen. Auch Timo Adamietz nicht. Er ist ehrenamtlicher Fundtierbeauftragter beim Tiersuchdienst. Er war als erster vor Ort, nachdem eine Spaziergängerin den Verein verständigt hatte. Ihr Hund hatte den grausigen Fund erschnüffelt.

Inzwischen gehen Timo Adamietz und Heidi Huth-Hinrichs davon aus, dass sie es mit einem besonders bösartigen Fall von Tierquälerei zu tun haben. Nach den Worten der Vorsitzenden spricht vieles dafür, dass die Katze in der Plastikfolie erstickt ist. Von einem Tierarzt habe sie erfahren, dass das dunkelrote Zahnfleisch und die rote Schleimhaut der Augen darauf hindeuten. Wegen der Aluminiumstangen habe sich das Tier nicht befreien können und ist wohl elend zugrunde gegangen. Timo Adamietz vermutet, dass das Tier höchstens zwei Tage tot war, als es gefunden wurde. „Hat hier etwa jemand genüsslich dabei zugesehen, wie die Katze um ihr Leben kämpft?“ fragt sich Heidi Huth-Hinrichs. Sie weiß es nicht. Aber sie hält es für möglich.

Bilder vom grausigen Fund hat der Tiersuchdienst bei Facebook veröffentlicht. Die Katze ist nicht gechipt. Deshalb lässt sie sich keinem Halter zuordnen. „Wir hoffen trotzdem, dass wir den Besitzer ausfindig machen“, sagt Heidi Huth-Hinrichs, wobei der Besitzer nicht zwangsläufig derjenige ist, der das Tier gequält hat. Außerdem will die Vorsitzende bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Allzu große Hoffnung hat sie nicht, dass der Fall aufgeklärt wird. „Aber ich will das auch nicht im Sande verlaufen lassen.“

Im Internet schlägt der Fall hohe Wellen. Auf der Facebook-Seite des Tiersuchdienste ist der Beitrag über die tote Katze mehr als 2000 Mal kommentiert worden. Da ist von einer „kranken Welt“ die Rede, von „grausamen Menschen“ – und das sind nur die moderaten Kommentare. Einige Kommentare musste Heidi Huth-Hinrichs bereits löschen, weil sie weit über das Ziel hinausschießen. Fast eine halbe Millionen Menschen hat der Beitrag bisher erreicht. Und am Donnerstag meldete sich ein Tierschützer, der 1000 Euro Belohnung zahlen will für Hinweise, die dazu führen, dass der Verantwortliche gefunden wird.

Wer tut so etwas?

Immer wieder taucht auf der Facebook-Seite des Vereins die Frage auf: „Wer tut so etwas?“ Das fragen sich auch Heidi Huth-Hinrichs und Timo Adamietz. Mit toten Katzen haben es die beiden häufiger zu tun. Oft handelt es sich um Tiere, die überfahren worden sind. Manchmal um Fundkatzen, die so krank waren, dass der Tierarzt sie einschläfern musste. Der Tiersuchdienst versucht, die Halter ausfindig zu machen. „Schließlich handelt es sich oft genug um Tiere, die vermisst werden. Die Halter sind dankbar, wenn sie über ihr Schicksal Bescheid wissen.“

Das sind die Schattenseiten des Einsatzes, den Heidi Huth-Hinrichs und ihre Helfer tagtäglich leisten – und zwar ehrenamtlich, ohne Bezahlung. Zum Glück gibt es aber auch die schönen Momente. So wie im Fall von Bebi, dem Ausreißer, der nun wieder zu Hause ist.

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