Hier lacht der Amtsschimmel

Vor 6 Jahren wohnten meine Frau, unsere drei Haustier und ich in einem kleinen Ort in Ostfriesland. Zu dieser Zeit lebten Foto488wir, ich konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten, vom sogenannten Hartz IV oder auch ALG II genannt. Wir wohnten schon seid 6 Jahren in der Wohnung und das Jobcenter übernahm die Miete und die Heizkosten wie immer.

An einem Mittwoch, ich holte die Post hoch, änderte sich alles schlagartig.

Ein Schreiben vom Jobcenter teilte uns mit das unsere Grundmiete, die gleiche seid 6 Jahren, um € 10,- zu hoch sei und wir deshalb zur Senkung unserer Mietkosten umziehen müssten. Ich fuhr Donnerstags sofort zum Jobcenter und fragte nach ob der Brief wohl ein Versehen sei. Zu dem Zeitpunkt hatten wir gerade einen neuen Sachbearbeiter erhalten. Er erklärte mir das der Mietspiegel für unseren Ort eine Miete von € 10,- weniger vorsehe. Auf meine Frage warum dann seid 8 Jahren die Miete gezahlt wurde wie sie ist entgegnete mein Sachbearbeiter mir das sein Vorgänger wohl in dem Punkt „geschlafen“ haben müsse. Auch auf meinen Kommentar das er der 4 Sachbearbeiter war wurde mir keine Antwort gegeben. Als Rat bekam ich noch mit auf den Weg das ich ja Widerspruch dagegen einlegen könnte.

Ich bat meinen Sachbearbeiter, dazu sind die verpflichtet, meinen Widerspruch direkt vor Ort aufzunehmen. Mit „murren“ stimmte er zu. Ein paar Wochen vergingen und ich bekam wieder Poist vom Jobcenter. Der Widerspruch wurde abgelehnt mit der Begründung das der Mietspiegel so aussehe. Ich ging darauf zu einem Anwalt. In dem Ort war es kein Problem. Ich füllte die benötigten Formulare aus und der Anwalt wurde tätig. Mein Anwalt legte Widerspruch gegen den neuen Bescheid ein und bat um Einsicht in die Akte. Daraus war zu entnehmen das für unseren Ort gar kein Mietspiegel existierte, da es sich um einen Bereich mit überwiegend Einfamilienhäuser handelte, und der Mietspiegel für einen anderen Ort (Aurich) mit höhere Bevölkerungsdichte einfach genommen worden war. Wir bekamen dann mehrfach Post vom Jobcenter worin wir trotz schwebenden Widerspruch aufgefordert wurden unsere Wohnung bis zum 1.des übernächsten Monats zu räumen. Mein Anwalt strebte ein Verfahren vor dem Sozialgericht an. Darum kümmerte sich das Jobcenter nicht.

Da ich nicht wusste wie das ganze ausgehen würde sahen wir uns nach einer anderen Wohnung um. Natürlich wollten wir nicht in die Stadt und wir wollten an der Küste bleiben. Durch Zufall entdeckte ich im Internet die Stadt Nordenham Ortsteil Einswarden. Straßenkarte raus und nachsehen war ein Ding. Einswarden lag außerhalb und am Wasser. Genau das was wir suchten. Also rein ins Auto und erst mal nach Nordenham und uns umgesehen. Was wir sahen sagte uns zu. Also Kontakt mit dem Immobilienmakler aufgenommen und dort erfahren das einige Wohungen frei wären und es keine Kurtage kosten würde. Das war uns egal da das Jobcenter, sie wollten ja das wir umziehen, diese hätte auch zahlen müssen. Ein paar Tage darauf mussten wir wieder nach Nordenham, die Fahrten bezahlte das Jobcenter mit € 0.17/km, uns die Wohnung ansehen und den Mietvertrag unterschreiben. Wieder zurück im „alten“ Zuhause am nächsten Tag zum Jobcenter und den neuen Mietvertrag vorgelegt. Dabei dem Sachbearbeiter sofort gesagt das ich die alte Wohung renovieren muss und das ich einen Umzugsunternehmer brauche, da ich ja nicht schwer heben darf. Als Auflage bekam ich dann das ich drei unterschiedliche Angebote von Umzugsunternehmer einholen müsse. Die war kein Problem. Wir haben dann mit unserem Vermieter von der alten Wohnung gesprochen ob ich renovieren soll oder ob das Jobcenter Ihm das Geld auszahlen soll. Er ging dann darauf ein das dass Jobcenter das Geld an Ihn auszahlte. Also wieder nach Nordenham, Jobcenter zahlte ja die km, um uns sofort dort beim Jobcenter zu melden das es mit dem Geld keine Probleme gibt. Das klappte auch alles soweit.

Langsam kam der Tag des Umzuges. 14 Tage zuvor hatten wir schon den Schlüssel zur Wohnung so das wir schon anfangen konnten mit tapezieren und Türen streichen. Noch schnell Laminat gelegt, wir hatten es aus der alten Wohnung mitgebracht.

Der Umzugstag kam und der Unternehmer hatte einen Schlüssel für die alte Wohnung, wir waren ja in Nordenham. Gegen Nachmittag stand dann der LKW vor der Tür. Aus dem LKW stiegen dann 1 Fahrer und 4 Packer. Der LKW war schnell leergeräumt und bei uns in der neuen Wohnung stapelten sich die Umzugskarton. Aber wir waren angekommen.

Es vergingen weitere 3 Monate wo wir alles an seinen Platz schafften. Dann kam Post von meinem Anwalt das es zu einem Sozialgerichtstermin kommt. Wir sollten uns an dem Tag um 11:00h in Aurich beim Gericht einfinden.

Das ganze Verfahren dauerte ca. 20min. . Unserem Antrag auf Widerspruch wurde stattgegeben.
Da wir aber schon umgezogen waren wurde dem Jobcenter die kompletten Kosten auferlegt.
Diese waren wie folgt:

3 Fahrten nach Nordenham hin und zurück € 122,40
Renovierung alte Wohnung € 650,-
Anwaltskosten ca. gesamt € 400,-
Umzugsunternehmer € 1480,-
2 mal Mittagsverpflegung (Aurich) € 20,-
Gerichtskosten Sozialgericht € ???,-
Kilometergeld nach Aurich hin und zurück € 34,-
Zeugengeld Ehefrau plus Kilometergeld € 73,20

Das ergibt alles zusammen € 2779,60

Und diese Summe an Kosten für das Jobcenter weil die Wohnung im Monat € 10,- zu teuer war.
Die gute Hausgemeinschaft die wir hatten, unbezahlbar.

Die Geschichte ist leider wahr.

Uwe Dräger

P.S.

Aber hier haben wir auch eine gute Hausgemeinschaft.

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