Adipositas Selbsthilfegruppe

Was soll ich denn da? Das ist die verbreitete erste Antwort wenn man zu einer Selbsthilfegruppe gehen soll. Wir als Anwärter auf eine Adipositas Chirurgie müssen sogar daran teilnehmen.

Das ist eine Vorschrift die die Krankenkassen erlassen. 

„ Vorgeschichte “

 

Ich kann nur berichten wie es bei mir war. Aber wie kam ich überhaupt dazu in eine Selbsthilfegruppe zu gehen oder gehen zu müssen?

Das ist sehr schnell erklärt. Ich bin 58 Jahre alt und wohne in Nordenham. Im April 2018 war ich bei meinem Hausarzt und der sagte ich müsse schnell was an meinem Gewicht (167kg / BMI >50) machen. Er schlug eine Bariatrische Operation vor. Hinter Bariatrische Operation verbirgt sich ganz einfach geschrieben eine Magenverkleinerung.

Aus dem Internet habe ich mir dann Adressen besorgt die solch eine Operation durchführt. Ich wurde zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Dort erfuhr ich viel, was ich erstmal gar nicht richtig verarbeiten konnte. Auch bekam ich einen „Laufzettel“ was ich an Ärzte zu besuchen muss und was ich sonst noch alles erledigen muss. Unter anderem steht dort das man mindestens 6 Termine in einer Selbsthilfegruppe nachweisen muss.  Also wieder das Internet bemüht und eine Selbsthilfegruppe im Umkreis gesucht. Fündig wurde ich in Brake. (Liebe Grüße an alle Gruppenmitglieder)

 

„ Das erste Treffen “

 

Meine erste Gedanken waren „was soll ich da“. Ich weiß ich habe viele Kilos zu viel auf den Rippen. Was sollte mir das bringen. Meine Vorstellung war da sitzen Personen im Kreis und beklagen sich wie dick sie sind und das die Welt doch so schlecht ist zu Übergewichtigen. Als nächster Gedanke kam dann, naja, gehst du zu 6 Terminen und holst dir deinen Stempel ab. Dann ist es ja gut. Soweit erstmal meine Anfangsgedanken.

Dann kam der Tag wo das erste Treffen war. Ich war ca. 30 Minute zu früh da, Marke, erst mal gucken was da für Personen reingehen.

Ich hab mir dann ein Herz gefasst und bin in den Gruppenraum. Dort saßen dann auch schon einige Personen die von, für mich, Normalgewicht bis stark Übergewichtig waren. Blicke Marke „Fleischbeschau“ konnte ich nicht feststellen, keiner verzog das Gesicht über meine Körperfülle. Kurz nachdem ich Platz genommen hatte ging dann die Vorstellungsrunde los. Es wurde der Vorname genannt und ob man noch vor der Operation sei oder danach. Das hörte sich schon mal gut an. Dann war ich dran. Ich spürte alle Augen auf mich gerichtet und außer meinem Vornamen bekam ich erstmal nichts raus.

Also nochmal neu anfangen. Nachdem sich dann alle vorgestellt hatten bemerkte ich das außer den Personen die noch vor der Operation waren auch Personen anwesend waren die schon die Operation hinter sich hatten oder kurz vor der WHO (Wiederherstellungsoperation) waren.

 

„ Fragen stellen angesagt “

 

Nach der Vorstellung konnten dann Fragen gestellt werden. Da viele Anwesende schon die OP hinter sich hatten kam schnell eine Fragerunde zustande. Keine Frage wurde als doof oder überflüssig abgetan. Die Fragen drehten sich um Operationsmethoden, Krankenhäuser wo die OP ausgeführt werden, über Nahrungsmittelergänzungen. Eigentlich gab es kein Thema was ausgefallen wäre. Es wurde auch darüber gesprochen das es bei manchen Personen zu Problemen kommt (Erbrechen, Sodbrennen, Durchfall). Ich als Neuling hielt mich ein bisschen im Hintergrund bis ich dann direkt angesprochen wurde. Schnell merkte ich das mir hier keiner was Böses wollte oder sich über mich lustig machen wollte. Nein wir saßen alle im gleichen Boot. Auch wurde gesagt das manche erstmal einen Vorbehalt gegen die OP hatten und das es nur einen Sinn hat wenn man wirklich dahinter steht. Auch das auf den Tisch legen und fertig nicht ausreicht. Als das Treffen dann nach ca. 60 Minuten zu Ende war musste ich meine Meinung zur Selbsthilfegruppe revidieren. Was ich in den 60 Minuten an Infos bekommen habe war schon erstaunlich. Es wurde auch darauf hingewiesen das was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe.

 

„ Facebook und Co “

Natürlich ist die Gruppe auch bei Facebook und Whats App vertreten. Auch so bekommen wir immer neue Infos. Außerdem bekommt man auch da Hilfe oder Zuspruch. Natürlich sind das geschlossene Gruppen. 

 

„ Fazit “

 

Die ganze Gruppe hat mich mit offenen Armen empfangen. Meine Anfänglichen Bedenken haben sich nicht bewahrheitet. Ich sehe die Gruppe nicht als notwendiges Übel an. Schon nach dem zweiten Treffen freute ich mich auf das nächste Treffen. Von „nur den Stempel“ holen ist nichts mehr übergeblieben. Ich habe in der Gruppe neue Kontakte gefunden. Die ganze Gruppe gab mir Aufschwung und unterstützt mich in meinem Vorsatz zu einer Magen Operation. Ich hoffe das ich der Gruppe auch was zurückgeben kann. Auch könnte ich mir sehr gut vorstellen  das ich noch lange in die Gruppe gehe und dann auch zu den Personen gehöre die „Neulingen“ ihre Fragen beantworten können und sie auch mit offenen Armen empfangen können.

Uwe Dräger

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